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Mount Robson und Berg Lake oder „Nur 23 Kilometer!“

By on Oktober 30, 2015

Mount Robson und Berg Lake oder „Nur 23 Kilometer!“

Direkt vor den Toren von Valemount erhebt sich der majestätische Mount Robson über die kanadischen Rocky Mountains. Hier, im Mount Robson Provincial Park, westlich angrenzend an den Jasper Nationalpark, findet sich ein Wanderweg, der als der schönste der gesamten kanadischen Rocky Mountains gilt: der Berg Lake Trail. Mit dem Helikopter habe ich mich hier ins Abenteuer gestürzt.

„Natürlich kannst Du den Trail in einem Tag wandern! Das sind nur 23 Kilometer.“ Haha. Natürlich! Ein Stadtmensch aus Köln, ohne jegliche Wandererfahrung und ohne jedwede Outdoor-Ausrüstung, lässt sich in die kanadische Wildnis fliegen, um sich dann einen ganzen Tag lang über Stock und Stein zurück in die Zivilisation zu kämpfen. Allein! Unter Bären. Mein skeptischer Blick muss Bände gesprochen haben…..

„Und hinterher kannst Du einen großartigen Artikel schreiben!“ Ooooh ja, das zieht. Eine Aussage wie diese, kombiniert mit einem verschmitzten Grinsen und einem gekonnt in Szene gesetzten Augenzwinkern, können mich nur überzeugen. Stadtmensch hin oder her, wenn die Journalistin in mir erwacht kann kein Bär mich von meinem Vorhaben abbringen. Und auch kein schicker Stadtstiefel. Das wäre doch gelacht.

Aber was war eigentlich die Herausforderung, um die es hier geht? Der Berg Lake Trail! Ein Wanderweg, der direkt unter dem mächtigen Mount Robson, dem mit einer Höhe von 3.954 Metern höchsten Berg in den kanadischen Rockies, durch eine wahre Bilderbuch-Landschaft führt.

Der Beginn des Berg Lake Trails (Foto: Lisa Feldmann)

Der Beginn des Berg Lake Trails (Foto: Lisa Feldmann)

Dieser Trail ist, so sagt man hier in Valemount und auch anderswo, der schönste der kanadischen Rocky Mountains. Regulär kann der Wanderer von der kleinen Niederlassung Mount Robson und dem dortigen Visitor Center 23 Kilometer hinaufwanden bis zum Berg Lake, einem faszinierend eisblauen See mit mächtigem Gletscher, dort campen und – nach einer erholsamen Zeit in den Bergen – eben wieder zurück wandern.
Die Version für alle, die nicht so viel Zeit haben oder aber ein echtes Abenteuer erleben möchten ist, mit Robson Helimagic einen Heli-hike zu unternehmen, also einen großartigen Rundflug mit dem Helikopter über den Mount Robson mit einem Drop-off am Berg Lake. Von dort geht es dann zu Fuß zurück ins Tal. Da dies einfach zu schön klingt, um wahr zu sein kam für mich nur eines in Frage: Der Heli-hike.

Bärensicher: Berg Lake und Mount Robson

Nachdem ich also zugesagt und einen Termin für meinen Heli-hike ausgemacht hatte überkamen mich dann aber doch Zweifel. Ich bin wirklich noch nie viel gewandert. Schon gar nicht 23 Kilometer am Stück. Allein. Aber nun war es natürlich zu spät um aus der Nummer wieder herauszukommen. Außerdem war es ja auch so reizvoll. Ein Helikopterflug und eine spektakuläre Wanderung durch die kanadische Wildnis…. Mein Entschluss stand fest, „ich mache es“!

Nun drängte sich aber doch der Gedanke an Bären auf. Grizzlys sind in den kanadischen Rockies heimisch, genau wie Schwarzbären. Beide recht respekteinflößend. Vom alleine Wandern wird abgeraten. Mindestens zu zweit soll man sich auf die Wanderwege begeben und dann reden, um die Bären vorzuwarnen, dass hier Menschen im Anmarsch sind. Alles gut und schön, aber was sei nun dem einsamen Wanderer geraten? Singen, so laut wie möglich, so hatte ich gehört, soll den gleichen Effekt haben wie reden und funktioniert, zugegebenermaßen, alleine auch besser. Doch ich hatte so meine Zweifel, ob mir bei einem Marsch von mehr als zwanzig Kilometern noch genug Luft bleibt, um pausenlos lauthals meine Anwesenheit heraus zu posaunen. Zwar besitze ich Bärenspray, würde es aber doch vorziehen, keinem Bären so nahe zu kommen, dass sich dieses problemlos einsetzen lässt.

Der erste Abschnitt des Berg Lake Trail mit Blick auf Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Der erste Abschnitt des Berg Lake Trail mit Blick auf den gewaltigen Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Des Rätsels Lösung präsentierte sich dann beim Souvenireinkauf in der Tourist Information in Valemount: Eine Bärenglocke. Dieses Glöckchen funktioniert im Prinzip wie eine Kuhglocke: Einfach am Rucksack befestigen und jedes Wildtier weit und breit weiß, dass ein Menschenwesen daherkommt. Wer sich nicht daran stört, auf dem Weg dann wirklich nur denjenigen Genossen, die sich offensichtlich für Brotkrümel oder verschütteten Trail Mix interessieren – also Streifenhörnchen und Co. – zu begegnen, der ist mit einer solchen Ausrüstung bestens beraten. Meine Entscheidung war rasch getroffen, ich mag Streifenhörnchen!

Yeeeha! Mit dem Helikopter zum Berg Lake

Los ging es also recht früh am morgen zu dem kleinen Helikopter-Flugplatz nahe der Tourist Information Mount Robson, wo zunächst die Gegebenheiten des Fluges sowie der Verlauf des Wanderweges und die Sicherheitsvorkehrungen für den Flug mit dem Helikopter genauestens erklärt wurden. „Der Ort, wo wir uns auf gar keinen Fall aufhalten wollen, ist das äußerste Ende der Rotoren“, erklärte Pilot Matt von Robson Helimagic zum ein- und aussteigen, „stattdessen bleiben wir entweder außerhalb deren Reichweite oder eilen geduckt direkt an die Türen heran.“

Pilot Matt von Robson Helimagic fliegt die Passagiere zum Berg Lake Trail (Foto: Lisa Feldmann)

Pilot Matt von Robson Helimagic fliegt die Passagiere zum Berg Lake Trail (Foto: Lisa Feldmann)

Der Start des Helikopters war ein echtes Highlight. Gesegnet mit dem Sitzplatz direkt neben dem Piloten, konnte ich die Faszination eines großartigen Ausblicks auf mich wirken lassen. Aus der Vogelperspektive war die gesamte Strecke des Berg Lake Trails zu sehen, der gewundene Verlauf und der in einem eisigen Türkisblau kristallklar leuchtende Berg Lake.

Ich bin begeistert vom faszinierenden Ausblick auf den Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Ich bin begeistert vom Ausblick auf den Mount Robson

Die Morgensonne im Rücken flog der Helikopter in eine Berglandschaft hinein, die mir selbst im Nachhinein noch den Atem stocken lässt. Aus luftiger Höhe sind der felsige Grat der Bergkette und der Gletscher des Mount Robson gut zu erkennen. Der so klein wie eine Miniatur erscheinende Schatten des Helikopters, weit unten in der kargen und doch so üppigen Landschaft der Rockies, gibt eine erste Ahnung davon wie gewaltig die Gebirgslandschaft ist. Dagegen sind selbst die höchsten technischen Errungenschaften der Menschheit farblos und unbedeutend.

Hoch über dem Kinney Lake, in Richtung Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann).

Hoch über dem Kinney Lake, in Richtung Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Eisblau und mit gewaltigem Gletscher: Der Berg Lake kommt in Sicht (Foto: Lisa Feldmann)

Eisblau und mit gewaltigem Gletscher: Der Berg Lake kommt in Sicht (Foto: Lisa Feldmann)

Mount Robson Provincial Park und Berg Lake Trail

Der im Jahr 1913 gegründete Mount Robson Provincial Park ist der zweitälteste Park in British Columbias Park System. Als ein echtes Kronjuwel der Welt wird er oft bezeichnet, denn mit 3.954 Metern wartet der Mount Robson mit dem höchsten Gipfel der kanadischen Rocky Mountains auf.
Auf der Ostseite grenzt der Mount Robson Provincial Park direkt an Albertas Jasper National Park und gehört damit zum UNESCO Rocky Mountain Weltkulturerbe. Im Süden des Parks entspringt der Fraser River, der sich seinen Weg über mehr als 1.280 Kilometer bis nach Vancouver bahnt, wo er in den Pazifik fließt.

Ausgangspunkt für die spektakuläre Wanderung auf dem Berg Lake Trail ist der Robson Pass. Hier ist der Landeplatz für den Helikopter, hier steigen die Wanderer aus, geduckt und schnell, um den Rotoren nicht zu nahe zu kommen. Der Trail beginnt an einem Schild, welches die Richtung in eine scheinbar menschenleere Wildnis weist, die mit Sicherheit auch überzeugte Wanderer für einen kurzen Augenblick zögern lässt. Ein prüfender Blick auf das Display meines Handys bestätigte zudem was die hilfreichen Mitarbeiter der Tourist Information in Valemount bereits augenzwinkernd angekündigt hatten: Kein Netz. Natürlich nicht. Hier, im Schatten des Mount Robson, ist das Land wild und mir ist noch immer, als könne ich dort tatsächlich den Herzschlag der Erde spüren.

Los geht es in Richtung Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Los geht es in Richtung Mount Robson …. (Foto: Lisa Feldmann)

... Während der Helikopter wieder abhebt und sich im Himmel verliert (Foto: Lisa Feldmann)

… Während der Helikopter wieder abhebt und sich im Himmel verliert (Foto: Lisa Feldmann)

Vorhang auf für die Schönheit der Natur

Zu beobachten, wie der Helikopter aufsteigt, immer kleiner wird und sich schließlich in der Morgensonne verliert, war ein Erlebnis für alle Sinne. Hier, so dachte ich, als ich dem Helikopter nachschaute, wird sich der Mensch seiner eigenen Verletzlichkeit bewusst. Lediglich ein Rucksack mit dem Notwendigsten sollte mich in die schier endlos wirkende kanadische Wildnis begleiten. Zeitgleich wird man sich aber der eigenen Größe bewusst, denn nun zählt die eigene Leistung. Die frische Luft und die Weite der Landschaft liessen mein Herz kleine Sprünge aufgeregter Vorfreude vollführen.

Nach der ersten halben Stunde, in welcher der Weg durch ein weites mit vereinzelten Nadelbäumen bestandenes Tal führt, das eine hervorragende Bühne für die gewaltigen Bergketten bietet, kommt der Berg Lake in Sicht. Die eisblaue Farbe des Wassers und die schiere Gewaltigkeit die der Gletscher ausstrahlt, liessen mir den den Atem stocken. Wie ein tiefes Donnergrollen, das ein gewaltiges Gewitter ankündigt, erklingt das Eis des Gletschers. Unter den Sonnenstrahlen im Sommer schmilzt es stetig, was dazu führt, dass es immer wieder knarzt und kracht. Ab und an lösen sich große Eisbrocken, die auf dem See dahingleiten und und ihm eine fast außerweltliche Einzigartigkeit verleihen. Jeder Schritt und jede neue Perspektive hebt den Vorhang zu einem neuen Wunder der Natur.

Der Berg Lake (Foto: Lisa Feldmann)

Der Berg Lake (Foto: Lisa Feldmann)

Perfekte Symbiose: Ausblick auf Mount Robson und Berg Lake (Foto: Lisa Feldmann)

Perfekte Symbiose: Ausblick auf Mount Robson und Berg Lake (Foto: Lisa Feldmann)

Ich dachte zunächst, der Weg ginge hauptsächlich bergab, doch es gibt auch viele recht gerade Abschnitte und sogar den ein oder anderen Anstieg. Glücklicherweise, denn was mir wirklich fehlte war ein Wanderstock. Während der ersten vier Stunden der Wanderung, als ich wie eine Bergziege von Stein zu stein hüpfte und kein Wässerchen trüben konnte, hatte ich viele solcher stabilen Äste gesehen, die einen ganz hervorragenden Wanderstock ergeben würden. Gut, dachte ich, so einen Stock suche ich mir später. Ja, klar, das denken wahrscheinlich alle Wanderer auf dem Berg Lake Trail, denn später war kein solcher Stock mehr in Sicht. Neidisch schielte ich auf die adäquaten Wanderstöcke anderer Wanderer, aus poliertem Holz oder aus leichtem Kunststoff. Nächstes Mal, so dachte ich, bringe ich mir auch so einen Stock mit.

Wache ich oder träume ich? Berg Lake (Foto: Lisa Feldmann)

Wache ich oder träume ich? Berg Lake und Gletscher (Foto: Lisa Feldmann)

Mehrere Wasserfälle liegen auf der Strecke, die sich durch weite Täler, an steilen Felswänden entlang und durch tiefe Wälder schlängelt. Die Toboggan Falls, die Emperor Falls sowie die White Falls locken mit ihrer weiß schäumenden Gischt. Immer entlang an einem steilen Berghang, dem fließenden Gewässer folgend, kommt schließlich der langgezogene Kinney Lake in Sicht.

Einen ganzen Tag lang dauert die Wanderung, die über Stock und Stein, durch steppenartige Tundra und durch tiefe Wälder führt, vorbei an fließenden Gewässern und glitzernden Seen. Immer lädt die schiere Großartigkeit der Landschaft zum Anhalten ein und ich muss meine Kamera auspacken, um die unbeschreibliche Schönheit der Natur in Bildern festzuhalten.

Berge, Wälder und Wasserfälle, der Berg Lake Trail hat alles (Foto: Lisa Feldmann)

Berge, Wälder und Wasserfälle, der Berg Lake Trail hat alles (Foto: Lisa Feldmann)

Die Emperor Falls nahe des Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Die Emperor Falls nahe des Mount Robson (Foto: Lisa Feldmann)

Der letzte Abschnitt des Weges führt am Robson River entlang bis zum Endpunkt der Wanderung, dem Berg Lake Trailhead. Am Ende des Trails fühlte ich mich hungrig, glücklich und randvoll mit unvergesslichen Augenblicken. Die Euphorie des Augenblicks lässt die körperliche Müdigkeit unbedeutend erscheinen. Pilot Matt hat recht behalten: Dies ist eine einmalige Erfahrung, ein Erlebnis das niemand je wieder vergisst. Ein Erlebnis, dass die Sehnsucht weckt, wieder zurückzukehren in die spektakuläre Landschaft der kanadischen Rocky Mountains.

Ich dachte wirklich für eine Weile, ich sein ein Stadtmensch – man lernt doch nie aus! Mittlerweile besitze ich Wanderschuhe und einen großartigen Stock, der mir im Wald und in den Bergen großartige Dienste leistet…. 😉

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8 Comments
  1. Antworten

    Sarah

    November 5, 2015

    Da möchte ich auch hin!!!!!!

    • Antworten

      Lisa Feldmann

      November 21, 2015

      Das glaube ich. 😉 Es lohnt sich auch wirklich, also auf nach Valemount!

  2. Antworten

    Mitch

    Januar 14, 2016

    Hi Lisa, this is Mitch reading the blog took us back to a special memory we will never forget. Love your enthusiasm! Nice job!

    • Antworten

      Lisa Feldmann

      Januar 14, 2016

      Hi Mitch, thanks a lot! I am happy that reading the blog brings back memories. This was my intention and as I am so in love with the area myself, it is wonderful to know that this enthusiasm is shared! 🙂 Fantastic!

  3. Antworten

    Mitch

    Januar 14, 2016

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    • Antworten

      Lisa Feldmann

      Januar 14, 2016

      So glad you klicked it. 😉

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